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Published on Juni 24th, 2016 | by Monika Thoma

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Sichtbar vernetzt – Mut für Frauen in Führung bei der IHK München

Sichtbarkeit gewinnen und den Mut aufbringen, etwas zu unternehmen – das rieten Expertinnen den Besucherinnen des Kongresses „Frauen in der Wirtschaft. Erfolgreich. Vernetzt. 2016“, den die IHK München am 22. Juni 2016 wieder mit dem WOMAN’s Business Club veranstaltet hat. von Daniela Heggmaier
 
„Unternehmen Sie und unterlassen Sie nicht!“ mit diesem Rat eröffnete Ingrid Obermeier-Osl, Vizepräsidentin der IHK München und Oberbayern den jährlich stattfindenden Kongress. Sie ist zugleich Vorsitzende des Arbeitskreises „Frauen in der Wirtschaft“, der von unserer Herausgeberin Monika Thoma mitbegründet wurde. Sichtbarkeit ist eines der zentralen Anliegens des hochkarätig besetzten Arbeitskreises.
Immerhin gehen rund die Hälfte der Hände im Publikum hoch, als sie die Frage stellt: „Wie viele von Ihnen wollen Vorstandsvorsitzende werden?“ Das ist nicht immer so.

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Zeichnung: Monika Thoma

 

Sich auf die Bühne stellen und eine Position zu besetzen scheint immer noch vielen Frauen schwer zu fallen. Monika Scheddin, Präsidentin des WOMAN’s Business Club, riet den Kongressbesucherinnen deshalb dazu, eine ZuMUTung zu sein. Sie hat immer wieder festgestellt: Frauen sind eher sicherheitsorientiert und wollen gefunden und gefragt werden. Deshalb wirken sie oft unter ihren Möglichkeiten. Aber die Angst vor einem Nein bringt die Frauen nicht weiter: „Was kann uns schon passieren?“ fragte sie.

Das Ende der grauen Mäuse

Frauen wollen in der Regel als kompetent, sympathisch und schön in Erinnerung bleiben. Und die Männer: Erfolgreich! Das ist ihr Motto! Dabei bleiben einem – so hat Monika Scheddin herausgefunden – 80% der Menschen, die man so trifft, gar nicht in Erinnerung, 15% haben wir nach 100 Tagen vergessen und nur 5% bleiben einem langfristig im Gedächtnis.

Deshalb rät Monika Scheddin zu Ecken und Kanten, zur Kultivierung einer Markanz, die polarisiert und Resonanz auslöst: „Sei der Hammer!“

Das Thema Selbstzweifel griff auch Ilse Aigner, stellvertretende Ministerpräsidentin und Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, auf. Sie ruft zum Mut auf zu sagen: „Ich packe das an!“, denn es werden Frauen gebraucht, die Firmen übernehmen können. Das Netzwerk, das sich die Frauen aufbauen sollen, ist wichtig, denn hier kann frau sich gegenseitig Mut zusprechen. Ilse Aigner forderte auch dazu auf, Role Models zu finden und vorzustellen, aber auch ein Role Model sein zu wollen.

„Sehr geehrte Damen, vereinzelte Herren!“ so begann eines der Role Models, Renate Radon, Senior Director Public Sector und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland auf dem IHK-Kongress ihr Storytelling über ihre Karriere: Ihre Motivation voranzukommen, sind ihre Neugierde und ihre Freude, gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen. Schon früh erlangte sie viel Verantwortung in ihrer Karriere, die ihr aber nicht nur einige schlaflose Nächte sondern auch viel Erfolg bescherte.

 

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Zeichnung: Daniela Heggmaier


 
Als Role Model für die Selbständigkeit sprach Yvonne Molek, Managing Director w&p Wilde & Partner Public Relations GmbH, über ihren Werdegang: Die Gründung einer PR-Agentur in einer Zeit, als es noch keine Start-up Kultur gab. Sie investierte in organisches Wachstum und eine ausgeprägte Unternehmenskultur, denn Bezahlung alleine reicht ihrer Erfahrung nah nicht. Mixed Leadership hat sie sich für ihr Unternehmen seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben – und Work Life Balance. „Mitarbeiter sind das größte Kapital eines Unternehmens!“ sagte sie und machte deutlich es ist, wie wichtig es ist, kontinuierlich kreative Konzepte zu entwickeln und Netzwerke zu pflegen.

Das intensive Netzwerken ist auch die Aufgabe des Mentoring-Programms proMIX, das  Elfriede Kerschl, Referatsleiterin Volkswirtschaft, Fachkräfte Demografie und Frauen bei der IHK für München und Oberbayern, zusammen mit der – wie immer witzigen und schlagfertigen – Moderatorin Susanne Rohrer vorstellte.

Denn mit mehr Frauen in Fach- und Führungspositionen und mit gemischten Teams sind Unternehmen erfolgreicher, sie bewältigen den Fachkräftemangel besser und werden zum attraktiveren Arbeitgeber.

proMIX startet 2016 in die dritte Runde und richtet sich an Potenzialkandidatinnen und weibliche Führungskräfte. Das Programm macht die Teilnehmerinnen fit für Führungsaufgaben und fördert eine konsequente Weiterentwicklung ihrer Stärken und Kompetenzen.

Cross-Mentoring: Innovation durch Perspektivenwechsel

proMIX ist als Cross-Mentoring-Programm konzipiert, in dem Mentee und ‎Mentorin/Mentor aus unterschiedlichen Unternehmen stammen. Jedes teilnehmende ‎Unternehmen benennt idealerweise ebenso viele Mentorinnen/Mentoren wie Mentees.‎ Damit wird erreicht, dass der Nutzen und die Realisierung von gemischten ‎Führungsteams in die verschiedenen Führungsebenen transportiert werden. Cross-‎Mentoring eignet sich ganz besonders für den Mittelstand, da so ein Einblick in eine ‎andere Unternehmens- und Führungskultur ermöglicht wird. ‎
Die frischen Ergebnisse der Studie „Unternehmerinnen in Oberbayern“ präsentierten im Anschluss bei beiden Professorinnen Dr. Claudia Eckstaller und Dr. Hildegard Macha. Die aktuellen Zahlen belegen auch für Bayern ein Megatrend zutrifft: „Female Shift“, d.h. Frauen haben bessere Bildungsabschlüsse, bessere Qualifikationen und entscheiden sich bewusst für weitere Entfaltungsmöglichkeiten.
Die Empfehlungen der Professorinnen, die sich aus der Studie heraus ergeben: Die Frauen sollen ihrer inneren Stimme folgen, wenn es darum geht, ein Geschäft oder ein Unternehmen zu übernehmen und zu führen. Selbstzweifel sind nicht angebracht: „Auf sich vertrauen!“ lautet die Devise. Gefragt sind Mut, Beharrlichkeit, Leidenschaft und Selbstvertrauen.

Eine ganz wichtige Rolle spielen Netzwerke, denn sie dienen der „subjektiven und gesellschaftlichen Vergewisserung im Rahmen der patriarchalen Wirtschaftsstruktur“. Sie bieten Rückhalt und Stärkung für eine neue Rolle der erfolgreichen Frau mit Macht und gesellschaftlichem Einfluss. Und ganz wichtig: Die Frauen sollen Mentorinnen nutzen und Hilfe in Anspruch nehmen. Denn zusammen erreicht man mehr!

Im Anschluss daran hatten die Teilnehmerinnen des IHK-Kongresses die Gelegenheit in drei verschiedenen „Women Speakers Corners“ ihre Projekte, Ideen und Produkte vorzustellen und eben diese in den 5-Minuten-Vorträgen kennenzulernen. In drei Cornern wurde zum Beispiel von Elke Schlichtig gesteppt, von Liz Howard gesungen oder von Daniela Heggmaier mit Wolle Blognetze gespannt. Wie man bei LinkedIn 10.000 Leser erreicht, war von Monika Thoma zu erfahren.

 

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Fotos: Daniela Heggmaier


 
Den krönenden Abschluss gestaltete die bekannte Speakerin Sabine Asgodom mit ihrer Keynote: „Freu‘ Dich über Deine Träume, denn sie könnten in Erfüllung gehen!“ Ihr Plädoyer galt dem Zufall, denn ihm sollte man stets eine Chance geben. Sabine Asgodom geht davon aus, dass die Menschen wissen, was sie bräuchten, um glücklich und erfolgreich zu sein. Und wer die Verbindung zu seiner Sehnsucht aufnimmt und dann in die „Sehnsuche“ geht, bekommt die Chance, sein Traumleben zu führen. Unsere Zukunftsbilder weisen uns dabei den Weg.

Ihre Botschaft: Die Sehnsucht soll uns führen, auch wenn man dabei unerwartete Umwege macht. Mann soll auf die verführerischen Chancen achten, die uns das Leben bietet, um dem Traum näher zu kommen. Wichtig: „Ja“ sagen, sich einlassen, Dinge ausprobieren, kleine Schritte gehen.

Sabine Asgodom bringt ein Beispiel aus ihrer eigenen Geschichte: Als Kind hat sie davon geträumt, Eiskunstlauf-Weltmeisterin zu werden. Vor dem Einschlafen sah sie sich als Star auf dem Eis, das Licht auf sich gerichtet, vor Tausenden von Zuschauern. Sie hat davon geträumt, wie der Bundespräsident ihr das silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung für Sportler, ansteckt. Dieser Traum vom Rampenlicht wurde leider nie wahr, denn Sabine Asgodom hatte nie Schlittschuhlaufen gelernt.

Und doch wurde ihr Traum wahr: Heute steht Sabine Asgodom als Rednerin oft im Rampenlicht. Sie hält Vorträge vor Tausenden von Menschen. Sie genießt die Spannung, die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die sich fesseln lassen. Sie ist Gast in Fernseh-Talkshows und der Bundespräsident hat ihr 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, für Ihren beruflichen Erfolg und ihr soziales Engagement. Ihr Traum ist in Erfüllung gegangen, auch ohne Schlittschuhe. Sabine Asgodom riet dazu, die glücklichen Zufälle selbst zu erschaffen. Und diese Anregung nahmen die Teilnehmerinnen beim Ausklang des Kongresses wahr: Sie kommunizierten intensiv und tauschten fleißig Visitenkarten aus!

Das Fazit der MANAGERIN-Redaktion: eine tolle Veranstaltung, die jedes Jahr mit viel Herzblut, Engagement und klugen Vordenkerinnen organisiert wird. Ein Dankeschön geht an die IHK, die vielleicht im nächsten Jahr mit einem Veranstaltungs-Hashtag und einer Teilnehmerinnen-Liste noch ein paar Impulse mehr für eine Online-Vernetzung setzen kann. Wir freuen uns auf Juni 2017!


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