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Published on April 30th, 2016 | by Monika Thoma

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Mehr Frauen in die Aufsichtsräte – so funktioniert’s! Ein Gespräch mit Leadership-Coach HeideMarie Klein

Mit kostenfreiem Leadership-Check für 3 angehende Aufsichtsrätinnen.

 

Seit 1. Januar 2016 gilt sie, die Frauenquote. Oder ist es mehr ein Quötchen? Jedenfalls bestimmt das Gesetz „für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“, dass künftig mehr Frauen in Führungsgremien vertreten sein sollen. Etwa 100 große Unternehmen müssen jetzt bei der Neubesetzung entsprechender Positionen zu 30 Prozent Frauen berücksichtigen. Weitere 3.500 Unternehmen sollen eigene Zielgrößen zur Erhöhung der Frauenquote in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen entwickeln. Auch viele Organisationen des öffentlichen Dienstes werden künftig ihre Aufsichtsgremien zu 30 Prozent mit weiblichem Personal besetzen.

 

Während ich selber die Quote für überflüssig halte, finde ich dieses Zeichen gut. Meine Meinung ist: Was man (oder frau) wirklich will, das erreicht man (und sie) auch. Vielleicht nicht im derzeitigen Unternehmen, vielleicht nicht als Angestellte. Jede mutige Entscheidung kommt mit einem Preisschild. Und mir scheint, dass gerade wir Frauen oft nicht bereit sind, für unsere Wünsche und Entscheidungen zu bezahlen. Auch männliche Spitzenführungskräfte haben mit Konflikten zu kämpfen und müssen um ihre Positionen ringen. Ich denke: Frauen wollen das oft nicht – was im Grunde doch eine sehr gesunde Reaktion ist. Es gibt viele Wege zum Ziel und zur persönlichen Erfüllung. Eine Karriere im Unternehmen ist nur eine davon.

 

Wobei viele Befürworterinnen der Quote ja sagen: Wenn erst mal mehr Frauen in Führung sind, ändert sich auch das Klima in einem Unternehmen zugunsten führungswilliger Frauen. Die werden’s dann einfach leichter haben, ihre Karriere zu entfalten. Stimmt. Ich füge hinzu: Vielleicht ändern sich dann auch Macho-Kulturen in bestimmten Branchen. Denn so etwas wie der Abgasskandal ist nur in Hackordnungs-Organisationen möglich, in denen niemand es wagt, dem Großen Vorsitzenden deutlich zu widersprechen, wenn der technisch unmöglich zu lösende Aufgaben stellt.

 

Frauen, die einen Sitz im unternehmerischen Kontrollgremium anstreben, fragen sich oft: Wie komme ich da rein? Dazu habe ich die Leadership-Expertin HeideMarie Klein befragt. Sie bietet unter anderem beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft attraktive Leadership Retreats zur strategischen Vorbereitung auf ein Aufsichtsratsmandat an.

 

Frau Klein, Frauen in Aufsichtsräten – warum ist das – von der aktuellen gesetzlichen Regelung mal abgesehen – so wichtig?
Frauen führen Unternehmen, sehr erfolgreich sogar. Gemischte Führungs-Teams erwirtschaften nachweislich bessere Ergebnisse als reine Männer-Leitungsteams. Frauen, die Mütter sind, managen den Familienalltag, mitunter in bewundernswerter Komplexität und mit ständigem Jonglieren zwischen Erwartungen, Hoffnungen, Wünschen und Bedürfnissen der Familie sowie der gesamten Umwelt dieser Familie, einschließlich der Firmen, in denen diese Frauen tätig sind.

Es bleibt einfach unverständlich, weswegen Frauen nicht auch in Unternehmen an exponierter Stelle und damit auch in Kontrollfunktionen repräsentiert sein und wirken sollen! An fachlichem Wissen, bzw. an Know-How und Können mangelt es ganz sicher nicht.

Die Gesellschaft wandelt sich dermaßen schnell, dass es nicht länger, auch wirtschaftlich, vertretbar ist, Aufsichtsgremien einseitig besetzt zu lassen. Welche Potenziale gehen damit verloren? Und welche wirtschaftlichen Herausforderungen könnten anders, sozial und wirtschaftlich verträglicher, gemeistert werden, wenn die weibliche Denkweise und die Stimme einer Frau an Entscheidungen beteiligt wäre?! Unternehmen, die in Zukunft relevant bleiben wollen, können an diesem Thema nicht vorbeigehen!

 

Haben Frauen darauf andere Antworten als Männer?
Möglicherweise sieht sich eine bestimmte Gruppe von Männern im ohnehin scharfen Wettbewerb um prestige-trächtige Positionen bedroht. Sie mögen mit ihrer Erfahrung, ihrem männlichen Sinn fürs Geschäft, ihrem Know-How in der Branche oder mit ihrer Affinität zu Zahlen argumentieren.

Das hat gleichwohl bisher nicht verhindern können, dass es zu großen Miss-Ständen in Unternehmen kam. Im Gegenteil.

Frauen sehen es als nicht nur wichtig, sondern als zwingend an, dass neben allen Herausforderungen, die eine solche Position mit sich bringt, Phänomene wie die ‚gläserne Decke‘, die politischen ‚Spiele‘ oder andere, oft tabuisierte Themen, nicht länger eine Rolle bei der Vergabe von Mandaten in Aufsichtsgremien spielen!

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, Studien und Aktionen, die auf dieses Ungleichgewicht hinweisen und die Nachteile einer einseitigen Besetzung von Kontrollgremien hervorheben.

Die aktuell geltenden gesetzlichen Regelungen sehe ich als einen Impuls, der den so häufig geforderten Bewusstseinswandel ein gutes Stück ins Bewusstsein rückt, und damit – hoffentlich – in die Umsetzung bringt! Und das ist notwendig, so bedauerlich das auch ist.

 

Können Sie uns kurz sagen, wie Aufsichtsratsposten üblicherweise vergeben werden?
Üblicherweise? Es gibt wohl keine präzisen Regeln für die Vergabe eines Mandats. Beim genaueren Verfolgen der Berichterstattung in den Medien lässt sich ein Muster erkennen:

Die Person ist bekannt, durch die Netzwerke, Freizeittätigkeiten und/oder Clubzugehörigkeiten. Es werden Empfehlungen ausgesprochen, der Kandidat wird geprüft und berufen – oder auch nicht.

Darüber hinaus suchen spezialisierte Dienstleistungsanbieter im Personalsektor im Auftrag eines Unternehmens nach geeigneten, als erfolgreich bekannten Kandidaten.

In der Vergangenheit war es für Frauen unter anderem durchaus möglich, etwa durch Einheirat oder die Familienzugehörigkeit (Familie der Eigentümer) in diese exponierte Position berufen zu werden.

Das hat in einigen Fällen zu einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit des Aufsichtsgremiums geführt. Heute wird dies jedoch zunehmend mit Zurückhaltung betrachtet und kann nicht der ‚normale‘ Weg sein!

 

Darauf sind viele Führungsfrauen eher schlecht vorbereitet, oder?
Frauen – und sicher auch viele Männer – bereiten sich noch nicht gezielt auf eine solche Funktion vor. Das wollen wir ändern und wir beginnen mit den Frauen!

Das kommt den Frauen selbst und auch den Unternehmen zugute.

Es gibt inzwischen wohl vielfältige Bemühungen und entsprechende Angebote, sich gezielt auf ein Mandat vorzubereiten.

In der Regel zielen diese Angebote auf die fachliche Seite der Kompetenzbildung ab. Nach den Angeboten wird oft erst dann gesucht, wenn die Person bereits kurz vor einer Berufung steht. Es soll noch schnell fehlendes Fachwissen aufgebaut werden.

Unsere Überlegungen setzen viel früher an und legen den Schwerpunkt auf die strategischen Überlegungen, die eine Frau sich bereits ab der mittleren Führungsebene machen sollte.

Unternehmerinnen sind möglicherweise durch ihren Aktionsradius schon eher im Fokus und vertrauter mit entsprechenden strategischen Überlegungen und den Anforderungen.

 

Was sollte ich also mitbringen – welche Positionen, Erfahrungen, Kontakte?
Für ein solches Mandat gilt es, sich wie für einen Marathon vorzubereiten. Ich liebe Vergleiche mit dem Sport, weil jede Person, die sich in einem Hochleistungssport auf einen Wettkampf vorbereitet, ganz klar weiß, dass sie sich vorbereiten muss – lange vorher. Und dafür auch einen Coach, Trainer und Mentoren sucht.

Für ein Mandat in Aufsichtsgremien ist es wichtig, bereits einen erfolgreichen Karriereweg zurückgelegt zu haben. Weitere Kriterien sind die fundierte Erfahrung in mindestens einer Branche, Führungs- und Budgetverantwortung, hervorragende Vernetzung auch über die jeweilige Branche hinaus, nur um einige Beispiele zu nennen. Kurzum, die Person sollte unternehmerisch sattelfest sein und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten besitzen.

Als weitere Muss-Voraussetzungen gelten ein hohes Maß an Unabhängigkeit, Diskretion, Souveränität, Integrität und – bei vielen Frauen – auch die Motivation, diesen Schritt wirklich gehen zu wollen. Das heißt, die Konsequenzen, die eine solche Funktion mit sich bringt, müssen klar sein und akzeptiert werden.

 

Welche Aspekte trainieren Sie im Leadership Retreat zur strategischen Vorbereitung auf ein Aufsichtsratsmandat?
Das Programm ist zweigeteilt in einen Leadership-Teil und die persönliche Profilbildung.

Im ersten Modul geht es um ein klares Verständnis des Anforderungsprofils eines AR-Mandats.

Daneben erhalten die Teilnehmerinnen Denkanstöße zur Reflexion ihrer eigenen Beweggründe, sich für ein Mandat zu bewerben.

Themen wie der Umgang mit der Komplexität von Anforderungen und Entscheidungen, Umgang mit Konfliktsituationen und in Folge also Ethik- und Verhaltensregeln gehören ebenso in dieses Modul.

Der Schwerpunkt liegt dann auf der persönlichen Profilbildung: einmal hinsichtlich der individuellen Entwicklungsfelder, um dann die entsprechenden Strategien entwickeln zu können.

Weitere bedeutende Aspekte sind die Sichtbarkeit: wo und wie gilt es sich zu bewegen, in welchen Netzwerken, mit welchen Engagements und über welche Projekte schafft sich die Frau Bekanntheit und Anerkennung.

Zum Abschluss wird die Zeit nach der Annahme eines Mandats betrachtet: was passiert dann; wie geht die Frau mit ihrer neuen Rolle um, welche strategischen, taktischen und operativen Verhaltensregeln muss sie kennen und einsetzen.

Und zu guter Letzt: wie gelingt es ihr, ihre neue Funktion aktiv zu gestalten.

 

Welchen Tipp können Sie Frauen mit auf den Weg geben, die sich für eine solche Aufgabe interessieren?Meine Anregungen ergeben sich aus dem Leadership-Programm: suchen Sie sich Felder, in denen Sie sich über ein Engagement, über ein innovatives Projekt oder andere Aktivitäten einen Namen machen können. Wer kommt als Partner und Mentor in Frage? In welchen Organisationen, Netzwerken und Clubs oder Vereinigungen bewegen sich Entscheider und potentielle Förderer?

Gehen Sie bewusst auf Aufgaben zu, die Sie in diese Richtung führen können.

Und vor allem: die Aufgabe an sich sollte Ihnen Spaß machen! Denn wir wollen doch etwas verändern und das gelingt eher, wenn Sie die Funktion in Aufsichtsgremien auch wirklich mit allem gebührendem Sachverstand und Freude an der Tätigkeit ausfüllen!

Seien Sie Vorbild für jüngere Frauen, für die nächste Generation.

 

Über HeideMarie Klein

HeideMarie Klein ist eine langjährig und multikulturell erfahrene Führungspersönlichkeit mit fundierter Erfahrung aus fast drei Jahrzehnten in einem global agierenden Großkonzern.

Seit 8 Jahren begleitet HeideMarie Klein als Leadership Coach in München lokal und international sowohl junge als auch erfahrene Führungskräfte. Ihr besonderes Interesse gilt den Frauen und wie Frauen ihre Talente und ihr Können auf allen Stufen einer Karriereleiter oder im eigenen Unternehmen selbstbewusst und wirkungsvoll einbringen und entfalten können.

 

Machen Sie den Leadership-Check:
Sie interessieren sich für die Übernahme eines Mandats? Machen Sie den Leadership-Check und erfahren Sie, wo Sie stehen und wie Ihre nächsten Schritte auf dem Weg zur Aufsichtsrätin aussehen. HeideMarie Klein bietet 3 Leserinnen der MANAGERIN diese kostenlose Beratung an.

Bitte schicke dafür eine eMail mit dem Betreff „Leadership-Check“ an die Redaktion. Die Plätze werden unter den Einsendungen ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen Dir viel Erfolg!


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