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Published on Juli 9th, 2015 | by Monika Thoma

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„It’s a women’s world“: 440 Besucherinnen beim Liechtensteiner Wirtschaftsforum für Frauen

Schon zum achten Mal lud die Liechtensteiner Regierung Unternehmerinnen und Entscheidungsträgerinnen zum „Businesstag“, diesmal unter dem Motto „WoMen-Power 2015 – neue Rollen, neue Chancen.“ Die Veranstalter versprachen für den 29. Juni Inspirationen, Impulse und Kontakte und landeten wieder einen vollen Erfolg: 440 Frauen (und zehn Männer) waren der Einladung gefolgt und nutzten die Gelegenheit zum intensiven Netzwerken und Gedankenaustausch.

Noch vor der offiziellen Eröffnung konnten Interessierte bei spannenden Workshops  ihre Kenntnisse vertiefen – zum Beispiel zur finanziellen Lebensplanung, den eine Expertin der Liechtensteiner Landesbank mit ihrem Kollegen hielt. Gerade Unternehmerinnen sind nämlich mehrfachen finanziellen Risiken ausgesetzt – von der Entnahme aus der Pensionskasse, um den Unternehmensaufbau zu finanzieren, über ein geringeres Einkommen in der Anfangsphase bis zum Schutz des Unternehmens vor den Folgen einer Scheidung oder im Erbfall reichen die Herausforderungen. Schöne Idee: Es gab je eine Gesprächsrunde dazu, wie man einerseits Vermögen aufbaut, andererseits das Aufgebaute schützt. Hier erhielten  die Teilnehmerinnen fundierten, individuellen Rat zu ihrer Situation.

Fazit: Wenn es um lebenslang gesunde Finanzen geht, sollte frau:

  • genau hinschauen
  • sich Klarheit verschaffen
  • rechtzeitig handeln
  • klar kommunizieren und
  • sich Hilfe holen.

„Seid anspruchsvolle Kundinnen!“
Wir haben im Workshop Christine Traut, Senior Kundenberaterin Private Banking bei der Liechtensteiner VP-Bank, getroffen. Sie sagt: „Frauen haben einfach andere Lebensläufe als Männer und brauchen deshalb gerade bei ihren Finanzen besondere Flexibilität. Das beginnt schon bei der Beratung. Sie muss umfassender auf die individuelle Situation der Frau eingehen, um hier wirklich ganzheitliche Sicherheit bieten zu können. Seien Sie als Kundin anspruchsvoll. Fordern Sie Ihren Betreuer. Verlangen Sie von Ihrer Bank eine qualifizierte Begleitung, die Sie in allen Belangen unterstützt.“

Megatrend Frau
Ja, Frauen sehen manches anders als Männer – der Grund dafür, dass Frauen viel zu selten in der Führungsetage anzutreffen sind, obwohl sie durchaus das Zeug dazu haben, ja häufig sogar überqualifiziert sind? Die Referentinnen – und ein Mann – machten sich an diesem Nachmittag auf die Suche nach Ursachen und Lösungswegen. Denn auf dem Podium war man sich einig: „It’s a women’s world“:

Frauen könnten vom „Megatrend Frau“ profitieren und sich endlich nehmen, was ihnen zusteht.

Mehr Frauen in die Politik
So sieht Regierungsrat Mauro Pedrazzini noch großes Potenzial für Frauen in den politischen Gremien, vom Gemeinderat bis zum Parlament. Warum? Es sei einfach viel schwieriger, eine Frau von einer Kandidatur zu überzeugen. Frauen scheuen sich also davor, Verantwortung zu übernehmen? Liegt es gar an uns Frauen selbst, dass wir in wichtigen Positionen unterrepräsentiert sind? Was ist mit der viel zitierten gläsernen Decke, die entsprechende Bestrebungen zunichtemacht?

Authentizität statt Perfektionismus
Nun, sagte Managementberaterin und Bestsellerautorin Dr. Sonja. A. Buholzer, Frauen neigen zum Perfektionismus. Sie haben drei oder vier Diplome und sind auf allen Kanälen rund um die Uhr erreichbar. Sie möchten es ihren männlichen Kollegen gleich tun und überfordern sich damit häufig sehr. Statt beruflicher Erfüllung kommt es zu Defiziten an Zeit, Leistung und Zufriedenheit. Buholzer empfiehlt stattdessen, selbstbewusst zu seinen Bedürfnissen zu stehen, Authentizität zu- und Perfektionismus abzulegen und mit gezieltem Selbstmarketing die eigenen Leistungen sichtbar zu machen.

„Warum nicht?“
Strategien, die auch zum Erfolgs-Repertoire von Alt-Bundesrätin und Verwaltungsrätin Ruth Metzler-Arnold gehören. Die heute einflussreiche Wirtschaftsfrau hat sich schon früh strategisch fortgebildet und ihre berufliche Laufbahn geplant. Auch unvorhergesehene Situationen habe sie immer angenommen, sehr unterstützt von ihren meist männlichen Mentoren wie ihrem Vater oder einem Vorgesetzten, mit dem sie Übernahme neuer politischer (Teilzeit-)Aufgaben absprachen musste. Mit einem „Warum nicht?“ gab er ihr meistens grünes Licht.

„Warum eigentlich nicht?“ – das könnte auch ein Motto von Antonella Mei-Pochtler sein. Die heutige Geschäftsführerin global bei Boston Consulting Group ist ein vertrautes Gesicht auf den Podien, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht. Letztes Jahr habe ich sie auf der DLD Women in München gehört. Sie ermuntert die Teilnehmerinnen, Widrigkeiten zum Trotz ihren Weg zu gehen.

„Sagt ja zu Angeboten“
Als Mutter von drei Kindern zeigt sie, wie es geht. Sie räumt auch ein, dass sie nicht die wichtigste Bezugsperson ihrer Kinder ist (das ist die italienische Mamma) und mit Vorwürfen ihrer Kinder konfrontiert ist. Sehr offen spricht sie über diese Schattenseiten ihrer Karriere. Dennoch sagt sie: Auch, wenn es heute oft noch einsam ist für Frauen in Führungspositionen: Wer will, der kann. Frauen sollten öfter einmal einfach „Ja“ sagen, wenn ein Angebot kommt, statt sich erst zu fragen, ob sie dem auch gewachsen sind. Ohne schlechtes Gewissen mit ihren Lebenshüten Privatleben, Familie und Beruf umgehen. Sich selber mehr zuzutrauen und dabei auf die weiblichen Stärken setzen, statt zum Mann zu werden.

Meine Meinung

Braucht es eigentlich heute noch Foren und Veranstaltungen für Frauen? Schließlich müsste sich die wesentliche Botschaft dieser Events schon herumgesprochen haben: „Frauen, seid anspruchsvoll und unbequem. Holt Euch, was Euch zusteht. Unterstützt Euch gegenseitig. Verschluckt Euch nicht am Perfektionismus, sondern spielt Eure weiblichen Stärken selbstbewusst aus.“ Ich meine: Ja. Denn noch sind wir an den Schaltstellen von Macht und Geld unterrepräsentiert. Das muss sich ändern und dafür braucht es Erinnerung, Bestärkung, Ermutigung. Nicht, weil weibliche Wirtschaft besser wäre. Sondern, weil ein ausgewogeneres Verhältnis von Männern UND Frauen gut für alle ist – im Beruf und privat.


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