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Published on November 20th, 2014 | by Daniela Heggmaier

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Drei Strategien für einen friedvollen Geist in der Wettbewerbsgesellschaft

Wie Sie Ihr Unternehmen mit Schöpferkraft führen – darüber berichtet Claudia Schulte in MANAGERIN #16. Katja Niedermeier schreibt in derselben Ausgabe über das Geheimnis des gut gelaunten Erfolgs. Beide Autorinnen beziehen sich auf ein Prinzip, nachdem alles mit allem verbunden ist und wir das ernten, was wir vorher säen. Auch der buddhistische Mönch Dolpo Tulku berichtete am 5. November 2014 in einem Vortrag auf Einladung des Rotary Clubs München-West über dieses Prinzip und stellte drei Strategien für mehr Entspannung und Frieden vor.

Ein Mann mit einer interessanten Lebensgeschichte: Dolpo Tulku wurde 1982 in eine Lama Familie in Dho Tarap, Dolpo, geboren. Im Alter von neun Jahren wurde er Mönch im Kanying Shedrub Ling Kloster, Nepal. Dort erkannte ihn Dilgo Khyentse Rinpoche als Reinkarnation des dritten Dolpo Nyingchung Rinpoche Drubthob an und Tulku wurde zur Ausbildung ins Namdroling Kloster nach Südindien geschickt.

2008 kehrt er nach 17 Jahren in seine Heimat Dolpo zurück, um seine Klöster zu besuchen und dort inthronisiert zu werden. Er wurde von einem deutschen Filmteam begleitet, das den preisgekrönten Dokumentar-Film ‚Dolpo Tulku – Heimkehr in den Himalaya‚ drehte. Seither reist er durch Asien und Europa, um buddhistische Philosophie zu lehren, öffentliche Vorträge zum Thema Geistestraining und Seminare zu Stress sowie Burn-out zu halten und um auf die Situation in seiner Heimatregion aufmerksam zu machen.

Seit 2007 trägt er gemeinnützige Projekte im Dolpo zusammen mit der lokalen Bevölkerung. Seine Dolpo Tulku Charitable Foundation setzt sich ein für Umweltschutz, Gesundheitsversorgung und eine effektive Bildung mit traditionellen und modernen Elementen.

Weltfremd oder mitten im Leben?
Der Mönch wies zu Beginn seines Vortrags darauf hin, dass viele Menschen behaupten: „Der lebt im Kloster, was weiß er schon vom Wettbewerb in unserer Gesellschaft?“ Dolpo Tulku erklärte, dass es in jeder Gesellschaft Wettbewerb gibt und ihm die Herausforderungen durchaus vertraut sind. Er wurde unter anderem deshalb Mönch, um zu lernen, mit Alltagsschwierigkeiten umzugehen. Und auch bei Mönchen gibt es viele Prüfungen und es entsteht Wettbewerb.

Gier, Eifersucht, Missgunst, Selbstsucht – mit diesen Gefühlen machen wir uns und anderen das Leben schwer. Der Buddhismus hält kluge Lösungsvorschläge dafür bereit, im wettbewerbsorientierten Umfeld ein konstruktives Miteinander und inneren Frieden zu erreichen. Denn Dolpo Tulku weiß: „Ein friedvoller Geist hängt von unserer Sichtweise ab. Man kann nicht die ganze Welt mit Leder bedecken, um unsere Füße vor Dornen zu schützen. Aber wir können unsere Füße mit Leder umhüllen.“ Den Dornen von heute – also schwierigen Situationen – können wir nicht entfliehen, wir können die Gesellschaft nicht verändern. Aber wir können an unserem Geist ansetzen.

Zufriedenheit ist die Wurzel für den inneren Frieden
Immer der Beste, Erfolgreichste, Berühmteste sein zu wollen ist in Dolpo Tulku’s Augen die falsche Motivation. Er riet dazu, Zufriedenheit zu entwickeln und unsere Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche anzupassen an den Rahmen des Möglichen.
Er erklärte dies anhand eines Beispiels: Man wünscht sich ein Handy, das Top-Modell, nur dieses eine soll es sein. Hat man es dann, wird es nach ein paar Wochen normal und ist bald nichts Besonderes mehr. Der Mönch rief dazu auf, das Gute zu sehen, das wir bereits haben und Freude daran zu empfinden.

Dolpo Tulku wies darauf hin, dass man sich nicht auf die faule Haut legen oder sich gar nichts mehr wünschen sollte. Er riet dazu, sich die Frage zu stellen: Welche Bildung, Erfahrung, Möglichkeiten, Aufgaben habe ich? Seine Empfehlung: Im jeweiligen Rahmen bleiben und nicht das Unerfüllbare herbeiwünschen. Bei jeder Neuanschaffung sollte man sich Frage stellen: Brauche ich das wirklich?

Die Verantwortung im Leben zu erfüllen und niemand anderem zu schaden – darum geht es. Wenn man ein Restaurant eröffnet, es gut führt und mit dem Erfolg ein gutes Auskommen hat, ist das wunderbar. Aber nicht, wenn man sein Lokal neben einem etablierten Restaurant eröffnet, und versucht, das Geschäft des anderen zu zerstören. „Daraus entsteht kein Glück, das sehen wir immer wieder!“, sagte Dolpo Tulku.

Wir dürfen bewahren und schützen was wir haben, aber nicht auf Kosten anderer. Der Mönch rief dazu auf, sich selbst nicht über andere zu stellen und nicht stets erster, bester sein zu wollen. Erfolgversprechend ist es, etwas aus der ureigensten Motivation und Aufgabe heraus zu tun, umsichtig und mit Höflichkeit. Und damit vermeiden wir auch Stress, denn der entsteht nur, wenn man besser als jemand anders sein will.

Wir sind alle miteinander verbunden
Die philosophische Sicht der Buddhisten geht vom Prinzip des abhängigen Entstehens aus. Deshalb ist es wichtig, zusammen mit anderen etwas zu erreichen. Dolpo Tulku‘ s drei Voraussetzungen für einen friedvollen Geist:
1. Zufrieden sein mit dem was man hat. Sehnsüchte, Erwartungen, Wünsche im Rahmen halten.
2. Immer etwas erreichen ohne anderen zu schaden!
3. Wir sind alle verbunden. Negative Handlungen kommen zu uns zurück!

Eine ausführlichere Version des Vortrags kann man hier auf YouTube ansehen.

Haben Sie die MANAGERIN#16 schon gelesen?

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