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Published on Juli 14th, 2016 | by Monika Thoma

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Das Arroganz-Prinzip: Von schnellen Chefinnen, der Macht der Pausen und gelben Säcken

Warum die Chefin nicht rennt, wie man akustische Politik betreibt und einen machtvollen Auftritt im Sitzungsraum absolviert: „Mehr Arroganz, bitteschön!“ – das forderte Dr. Peter Modler und entführte die Mitglieder und Gäste von fünf Münchner Frauennetzwerken am 13. Juli 2016 ins Land der Schaumschläger, Rangordnungskämpfe und Strategien für ein besseres Miteinander von Frauen und Männern in den Vorstandsetagen. Von Daniela Heggmaier

Dr. Peter Modler steht auf der Seite der Frauen – das wurde im Laufe des Abends klar: In zahlreichen Selbstversuchen provozierte er die anwesenden Damen, nur um sich von ihnen stoppen zu lassen. Er ließ sich von ihnen aus der Reserve locken, nur um ihnen wirksame Gegenstrategien an die Hand zu geben: „Sagen Sie jetzt mal was ganz Gemeines über mich!“ „Hose und Jackett passen nicht zusammen!“ „Das ist aber fies!“ Gegenstrategien?

Ja, man könnte es unter der Rubrik „Selbstverteidigung“ einordnen: Wenn mal wieder ein männlicher Schaumschläger kommt, der mit null Kompetenz die gesamte Führungsriege von Leistungen überzeugt, die er nie erbracht hat. Und wenn einmal mehr ein Platzhirsch in der Vorstandssitzung ordentlich auf den Tisch haut und sich durchsetzt, obwohl die weiblichen Kolleginnen eigentlich die besseren Argumente gehabt hätten. Dann wird es Zeit für das Arroganz-Prinzip!

Arroganz Prinzip Dr. Peter Modler

Zweisprachigkeit ist gefordert
Diese Selbstverteidigung, die uns Dr. Peter Modler an diesem Abend vermitteln will, basiert auf der Erkenntnis, dass Männer und Frauen unterschiedlich kommunizieren:
• Männer befinden sich in einem „vertikalen“ Kommunikationsmodus, der sich zwischen den Achsen Rang und Revier bewegt. Durchsetzungsstärke, Entscheidungsfreude, Risiko und Territorialverhalten – das ist Männern wichtig.
• Frauen kommunizieren nach Dr. Peter Modler „horizontal“. Die Achsen ihres Koordinatensystems heißen: Zugehörigkeit und inhaltliches Interesse. Es zählen Gleichberechtigung, Teamgeist und Höflichkeit.

Im Gegensatz zu Frauen nutzen Männer Sprache viel öfter als Machtinstrument, senden völlig andere Körperbotschaften und zeigen ein ausgesprochenes Revierverhalten. Und weil für Frauen weder das männliche Territorialverhalten noch die allgegenwärtigen Rangordnungskämpfe eine Rolle spielen heißt es: Lernen, wie die Männer ticken. Und: Lernen, wie wir Frauen ticken!

Münchner Frauennetzwerke Arroganz Prinzip

Improarroganztheater: Aus dem echten Leben
Modler erklärt das anhand von Kinderspielen: Während sich seine Töchter in komplexe Rollenspiele verstrickten, spielten zwei Nachbarsjungen stundenlang einen Dialog aus der Perspektive von Müllbehältnissen nach: „Ich bin die Hauptmülltonne und du nur der gelbe Sack!“ „Nein: ICH bin die Hauptmülltonne und DU nur der gelbe Sack!“ Stundenlang. Erinnert das an die letzte Abteilungsleitersitzung?

Diesen Machtdemonstrationen begegnet Frau am besten mit Arroganz – nicht als Lebenshaltung, wohl aber als effektives Werkzeug. Wie das konkret funktioniert, zeigt Peter Modler seit Jahren in seinen Arroganztrainings für Frauen in Führungspositionen, in denen er typische Situationen aus dem Berufsleben nachstellt.

Dr. Peter Modler, Jahrgang 1955, ist nicht nur promovierter Theologe, sondern war auch viele Jahre Führungskraft und Unternehmer in der Medienbranche. Fünf Jahre lang war er Arbeitsrichter und konnte vieles beobachten, was zwischen Männern und Frauen schiefgeht. Er fordert: „Führungskräfte müssen zweisprachig sein!“ Und damit meint er nicht Englisch und Französisch, nein, sie sollen „vertikal“ und „horizontal“ kommunizieren können!

Bescheidenheit ruiniert das Chefimage
Fehler machen seiner Erfahrung nach auch Frauen untereinander. Zum Beispiel, wenn eine Frau aus einem reinen Frauenteam aufsteigt und sich als Führungskraft nicht über die anderen stellen will: Levelling nennt Modler das. Da wird schon mal auf das schicke Kostüm verzichtet oder auf den Dienstwagen, was dazu führt, dass die anderen denken: „Die will ja gar nicht Chef sein!“

Aus den Fragen aus dem Publikum inszenierte Modler auf dem Münchner Netzwerkabend spontan kleine Management-Meetings, subtile Übergriffe auf Teilzeitkräfte am Schreibtisch oder Budgetverhandlungsscharmützel. Interessant, wie er…
• die Körpersprache der „Versuchsfrauen“ neu gestaltete,
• die Rolle der Lautstärke, Pausen oder die Macht der wenigen Worte vorführte,
• den Ablauf von Meetings in neue Dimensionen lenkte, nur indem er erklärte, wie eine Chefin ein Meeting betreten soll: Niemals zu früh, wirkungsvoll, gelassen und keineswegs hektisch.

Münchner Frauennetzwerke Dr. Peter Modler

Ganz klar, dass sich die Gespräche im Anschluss an den Vortrag lebhaft um die Zusammenarbeit und Kommunikation von Männern und Frauen drehten. Der Netzwerkabend allerdings war eine reine „horizontale“ Veranstaltung, liebevoll und engagiert organisiert von…
• Heike Abouchikhi und Eva Mueller, Frauen in der Immobilienwirtschaft e.V.,
• Christa Holzenkamp, VDI-fib,
• Verena Neumayer, Franziska Fleischmann, Yvonne Molek von FIM e.V.,
• Andrea Hiering, Anke Vosswinkel und Anna-Sophie Graf vom VDU sowie
• Monika Scheddin vom Woman‘s Business Club.

Die Nurus GmbH, Hersteller von offenen Bürolandschaften, stellte die Räume und sehr bequemen Sitzmöbel zur Verfügung. Die Firma Ed Meier München unterstützte den gelungenen Abend durch großzügiges Sponsoring.

Mein Fazit: Hauptmülltonne oder gelber Sack? Wenn frau weiß, dass es bei den Jungs eine Rolle spielt, lernen wir gerne, in Zukunft stärker auf den Putz zu hauen. Ein bisschen Arroganz muss sein! Und dann klappt’s auch bei der nächsten Budgetverhandlung!

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